Nattokinase

Nattokinase: Das Enzym aus der japanischen Frühstücksschüssel

In Japan gehört Natto seit Jahrhunderten zum Frühstück – fermentierte Sojabohnen, klebrig, mit einem Geruch, der Besucher meist sofort in zwei Lager teilt. Für die Wissenschaft wurde genau dieses Gericht in den 1980er-Jahren interessant: In ihm steckt ein Enzym, das inzwischen auch in Europa angekommen ist. Nicht als Zulassung für eine Wirkaussage, sondern als genehmigter neuartiger Lebensmittelstoff – mit einer Forschungsgeschichte, die genauer hinzuschauen lohnt.

Sojabohnenpflanzen auf einem Feld bei Sonnenaufgang

Was dahintersteckt

Das Enzym entsteht, wenn Bacillus subtilis var. natto Sojabohnen fermentiert – genau der Prozess, der aus gekochten Sojabohnen Natto macht. Entdeckt wurde es 1980 vom japanischen Forscher Hiroyuki Sumi, der nach einem natürlichen Stoff suchte, der die Fibrinolyse unterstützt – also die körpereigene Auflösung von Blutgerinnseln.

  • Natto selbst ist in Japan seit Jahrhunderten Alltagsessen, keine neue Erfindung.
  • Nattokinase ist das Enzym daraus, konzentriert und isoliert.
  • Seit Januar 2017 ist ein daraus gewonnener Extrakt (bekannt unter dem Handelsnamen NSK-SD) in der EU als neuartiges Lebensmittel zugelassen – durch den Durchführungsbeschluss (EU) 2017/115 der EU-Kommission.

Eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel ist kein Gesundheitsclaim – sie bestätigt nur, dass der Stoff in der geprüften Menge sicher verzehrt werden darf. Eine Wirkung wird damit ausdrücklich nicht bestätigt.

Wissenschaftlerin im Labor macht Notizen, im Hintergrund ein Mikroskop

Woran geforscht wird

Seit Sumis Entdeckung beschäftigt sich ein stetig wachsendes Feld der Forschung mit Nattokinase im Zusammenhang mit Durchblutung und Fibrinolyse. Mehrere kleinere Humanstudien untersuchen, wie sich die orale Einnahme auf Blutfluss-Marker auswirkt – ein aktives, aber noch junges Forschungsfeld.

Wichtig dabei: In der EU ist bislang kein gesundheitsbezogener Claim für Nattokinase zugelassen. Es gibt also keine Aussage, die ein Hersteller über eine Wirkung auf die Durchblutung oder das Herz-Kreislauf-System treffen dürfte – unabhängig davon, wie das Forschungsfeld sich entwickelt. Was heute an Daten vorliegt, reicht EFSA-Standards zufolge nicht für eine bestätigte Wirkaussage.

Schale mit Natto, fermentierten Sojabohnen, daneben Reis und Tee

Fazit

Von der Frühstücksschale im traditionellen Japan bis ins EU-Lebensmittelrecht ist es ein langer Weg – und Nattokinase hat ihn gemacht, ohne dabei lauter zu werden, als die Datenlage hergibt. Was bleibt, ist ein gut dokumentiertes, sicher zugelassenes Enzym mit einer Forschungsrichtung, die weiter beobachtet werden sollte, und einem Sicherheitsprofil, das ernst genommen werden will. Genau diese Mischung aus Zurückhaltung und echtem wissenschaftlichem Interesse macht es zu einem Stoff, den man im Blick behalten sollte.

Wichtiger Hinweis

Nattokinase kann die Blutgerinnung beeinflussen. Deshalb gilt, unabhängig von allen offenen Forschungsfragen, ein klarer
Sicherheitsrahmen:

  • Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt (z. B. Marcumar, ASS, DOAKs), sollte vor der Einnahme unbedingt ärztlichen Rat einholen – die Wechselwirkung ist real und ernst zu nehmen.
  • Nicht geeignet für Schwangere und Stille
  • Vor geplanten Operationen sollte die Einnahme mit dem behandelnden Arzt oder der Ärztin abgesprochen werden.

Das ist kein Kleingedrucktes, sondern der Teil, der bei einem Enzym mit dieser Wirkungsrichtung zuerst gelesen werden sollte.