Drei Pilze, drei Geschichten: Löwenmähne, Reishi und Maitake

Drei Pilze, drei Geschichten: Löwenmähne, Reishi und Maitake

Auf einmal sind sie überall: in Kaffee, in Kapseln, in Pulverform im Supermarktregal. Funktionelle Pilze gelten gerade als eines der spannendsten Themen der Ernährungswelt – dabei sind sie alles andere als neu. Manche davon begleiten Menschen in Ostasien seit Jahrtausenden, in der Küche genauso wie in der traditionellen Medizin. Drei von ihnen lohnen einen genaueren Blick: Löwenmähne, Reishi und Maitake.

Löwenmähne-Pilz wächst an einem Baumstamm im Herbstwald

Löwenmähne: Ein ungewöhnlicher Pilz im Blick der Forschung

Mit ihren herabhängenden, weißen Stacheln sieht sie eher aus wie ein Tier als wie ein Pilz – daher der Name. In Ostasien wird sie seit Jahrhunderten sowohl gegessen als auch in der traditionellen Medizin eingesetzt. Aktuell richtet sich die Forschung vor allem auf zwei Inhaltsstoffe, Erinacine und Hericenone, und ihre mögliche Rolle bei der Bildung von Nervenwachstumsfaktoren im Gehirn. Klingt vielversprechend – ist es auch, allerdings mit Einschränkung: Bislang gibt es nur eine Handvoll kleiner Studien am Menschen. Ein spannendes Forschungsfeld, aber noch lange keine gesicherte Sache.

Zwei rotbraune Reishi-Pilze an einem moosigen Baumstamm

Reishi: Die Geschichte hinter dem „Pilz der Unsterblichkeit“

In China heißt er Lingzhi – „Kraut der spirituellen Kraft“. Schriftliche Erwähnungen reichen rund 2.400 Jahre zurück, genutzt wurde er vermutlich schon deutlich länger. In der antiken Materia Medica wurde ihm nachgesagt, den Körper leicht und jung zu halten und das Leben zu verlängern – daher der Beiname „Pilz der Unsterblichkeit“. Weil er in freier Natur selten war, blieb er lange dem Adel vorbehalten. Heute wird er kultiviert und ist entsprechend leicht verfügbar – der Mythos um ihn ist geblieben, auch wenn moderne Forschung ihn erst nach und nach einordnet

Maitake-Pilz am Fuß eines Baumes auf dem Waldboden

Maitake: Der „tanzende Pilz“ aus Japans Wäldern

Der Name bedeutet so viel wie „tanzender Pilz“ – der Legende nach, weil wer ihn in freier Wildbahn fand, vor Freude tanzte. So selten war er. In Japan wurde er seit jeher sowohl kulinarisch als auch für seine gesundheitlichen Eigenschaften geschätzt, wild wachsend am Fuß von Eichen. Kultiviert wird er allerdings erst seit den 1980er-Jahren – damit ist er einer der jüngsten domestizierten Speisepilze überhaupt, deutlich jünger etwa als Shiitake, das schon seit rund 1.000 Jahren angebaut wird.

Drei Pilze, drei sehr unterschiedliche Geschichten – gemeinsam ist ihnen, dass sie lange vor der aktuellen Forschung schon einen festen Platz in der traditionellen Küche und Medizin Ostasiens hatten. Was sich heute ändert: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schauen genauer hin, welche Inhaltsstoffe dahinterstecken und was sie tatsächlich bewirken. Seriös lässt sich bislang sagen: Es gibt erste, teils vielversprechende Studien – meist mit kleinen Gruppen, oft im Labor statt am Menschen. Noch fehlen gesicherte Antworten, aber genau das macht das Feld aktuell so spannend zu beobachten.